Großer Hafen - Kohlenzunge/Wiesbadenbrücke

Großer Hafen Wilhelmshaven
Der Große Hafen, Blickrichtung Westen

Im Zuge der zweiten Ausbaustufe und der damit verbundenen Süderweiterung der Hafenanlagen entstand ab 1904 der 1910 fertiggestellte Große Hafen.

Bei einer Länge von rund 1,3km breitet er sich, beginnend an der Kaiser-Wilhelm-Brücke, von Ost nach West fächerförmig auf rund 750m aus. Im Norden, an der Deichbrücke, beginnt der Ems-Jade-Kanal, im Süden war ursprünglich der mittlerweile durch den Grodendamm verschlossene Übergang zum Zwischenhafen. Als Liegeplatz auch der großen Einheiten bestimmt, weist er mit 10,5 - 11m einen entsprechenden Tiefgang auf.

Am Südufer erstreckte sich eine rund 1000m lange und 20m breite hölzerne Anlegebrücke als Liegeplatz für Großkampfschiffe. Zwischen der Anlegebrücke und den sich ebenfalls weit bis nach Westen erstreckenden Anlagen der Seefliegerstation und Flugzeugwerft befand sich eine ausgiebig ausgebaute Infrastruktur aus einer Pflasterstraße, Gleisanlagen, Kohlenlagerplätze, Lager- und Magazinhäusern, Müllgruben, Aborten und Badehäusern sowie Pumpanlagen zur Entwässerung.

Nach dem 1. Weltkrieg zog sich Reichsmarine aus dem Großen Hafen zurück. Den Bestimmungen des Versailler Vertrages entsprechend stark verkleinert, brauchte sie die ausgedehnten Anlagen nicht. 

Die Anlegebrücke erhielt in den 30er-Jahren die offizielle Bezeichnung "Seydlitz-Brücke", wurde nach dem 2. Weltkrieg schließlich abgebrochen.

Anfang der 20er-Jahre: Blick auf das Südufer mit der Anlegebrücke, im Hintergrund Hallen der Seefliegerstation. Am rechten Bildrand der Übergang zum Zwischenhafen, heute Grodendamm:

Großer Hafen Wilhelmshaven

Am Nordufer befand sich ab Höhe der Kronprinzenstraße (Moselstraße) die sich etwa 850m lange, bis Höhe Marine-Lazarett erstreckende, sogenannte Gazellebrücke. Benannt nach dem Kleinen Kreuzer SMS Gazelle war sie Liegeplatz für die Torpedoboote, die hier jeweils als Halbflottille, sprich 5 Booten, im Päckchen, also nebeneinander, lagen.

Im Juni 1940 wurde die Anlegebrücke nach dem am 10. April bei der Schlacht um Narvik gefallenen Führer der Zerstörer, Kommodore Friedrich Bonte, in "Kommodore-Bonte-Brücke" umbenannt.

Gazellebrücke Bontekai Wilhelmshaven
Torpedoboote an der Gazellebrücke, ca. 1905:

Querschnitt der Gazellebrücke beim Torpedolagerhaus:

Zwischen den beiden Durchfahrten zum Kanal bzw. Zwischenhafen wurde eine etwa 350m lange und knapp 90m breite Landzunge aufgeschüttet und zum Anleger ausgebaut. Ihrer Bestimmung als Bekohlungsanlage entsprechend nannte man sie bald "Kohlenzunge". Nach dem 1. Weltkrieg erhielt sie den Namen "Wiesbadenbrücke", nach dem Namen des in der Skagerrakschlacht gesunkenen Kleinen Kreuzers, auf dem auch der bekannte Schriftsteller Johann Wilhelm Kinau alias Gorch Fock den Tod fand.

Nach dem 1. Weltkrieg siedelten sich zunächst Abwrackbetriebe auf dem Gelände an; nach dem Ende des Abwrackbooms Mitte der 20er-Jahre wurde die Anlage zum Anleger für Boote.

Mit der Wiederinanspruchnahme des Großen Hafens durch die Kriegsmarine entstand auf der Nordseite ein Stützpunkt für Schnellboote, am Südanleger machten schwere Einheiten fest.

Nach dem 2. Weltkrieg siedelte sich bereits 1948 am östlichen Ende der Anlage die Linde AG an.

1956 ging in die restliche Anlage in den Besitz der Bundesmarine über, die hier Minensucher, Landungsboote und Schnellboote stationierte, ab 1968 - genannte Einheiten verlegten in den neu gebauten Marinestützpunkt Heppenser Groden - vor allem eingemottete Einheiten der Reserveflotte. Nach deren Auflösung und Verlegung der Aufleger in den Arsenalhafen nutze die Marine die Anleger nur noch als Bootshafen für ihre Barkassen (V-Boote) und Segelboote. Zudem war die Wiesbadenbrücke Veranstal-tungsort für den Marineanteil am Volksfest "Wochenende an der Jade". Im Jahre 2000 wurde die Anlage von der Marine aufgegeben, der Bootshafen wurde seitdem von der Segelkameradschaft "Klaus Störte-beker" genutzt. Große Teile der restlichen Anlage diente der "Interessengemeinschaft zur Erhaltung historischer Fahrzeuge" einige Jahre als Veranstaltungsort großer Oldtimertreffen.

In direkter Nachbarschaft zur Linde AG befindet sich seit 1962 die vom Arsenal betriebene Magnetische Messstelle; noch heute fahren Einheiten der Deutschen Marine regelmäßig "Schleife" zum Messen des Mineneigenschutzes.

2013 wurde ein Großteil der Wiesbadenbrücke an eine Wilhelmshavener Wohnungsbaugesellschaft zum Bau mehrerer Wohnblöcke verkauft.

Kohlenzunge Wiesbadenbrücke Wilhelmshaven

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