2. Einfahrt (Alte Einfahrt)

Blick vom Vorhafen der Einfahrt in Richtung Ausrüstungshafen. In der Bildmitte die          1000-Mann-Kaserne, am rechten Bildrand die Werftkaserne:

Die Einfahrt ist aus zweierlei Gründen stadthistorisch bedeutsam: Zum einen eben als erste Einfahrt in die Hafenanlagen, vor allem aber wurde am 17. Juni 1869 auf dem Molenkopf der Nordmole der Taufakt des Jadegebietes vollzogen, als der preußische Kriegsminister Albrecht Graf von Roon in Anwesenheit von König Wilhelm I. dem Marine-Etablissement offiziell den Namen "Wilhelmshaven" gab.

An diesen Einweihungsakt erinnert eine in den Boden eingefasste Bronzetafel.

Angelegt wurde die Einfahrt auf dem Dauensfeld, im rechten Winkel zum Fährhuck. Zu beiden Seiten wurden Molen gebaut, die über die Grodenkante hinaus in die Reede ragen.

Bewusst wurden die Molen rechtwinklig zum Strom angelegt, hier dachten die Planer an die zu erwartende Verschlickung und der daher notwenigen, ständigen Baggerarbeiten. Die Lage der Molen sollten das Baggergebiet möglichst klein halten.

Die Einfahrt bestand aus innerer und äußerer Schleuse von jeweils 20,5m Breite, dazwischen der 175m lange Vorhafen. Hier sollten sich die Schiffe sammeln und dann gemeinsam ein- bzw. auslaufen.

Allerdings machten sich schon bald erhebliche Mängel bemerkbar. Schleusengänge waren nur bei Hochwasser möglich; bei stärkerer Strömung wurden das Hinterteil einfahrender Schiffe vom Strom erfasst, während der vordere Teil schon im ruhigen Wasser war. So mussten die Schiffe mit hoher Fahrt einlaufen, was angesichts der Kürze der Molen gefährliche Situationen hervorrief. Damit die Schiffe beim Verfehlen der Schleuse nicht gegen die Mauern fuhren, ließ man bei den Ausbaggerarbeiten stets ein Schlickpolster liegen, auf das Schiffe im Falle des Falles auffahren konnten.

Ab 1876 wurde die Einfahrt als Alte Einfahrt bezeichnet, ab 1909 schließlich 2. Einfahrt.

Allen Mängeln zum Trotz musste die Einfahrt im 1. Weltkrieg dringend, vor allem von kleineren Einheiten benutzt werden. Während des Krieges wurden noch neue Schleusentore mit Öffnungen eingebaut, so dass man immerhin nicht mehr so stark von den Gezeiten abhängig war.

1919 wurde die Einfahrt als Schleuse dauerhaft außer Betrieb gesetzt und spielte für den Hafenbetrieb nur noch insofern eine Rolle, als das der Vorhafen als Liegeplatz für kleinere Schiffe und Boote genutzt wurde.

Nach dem 2. Weltkrieg wurde die Einfahrt von den Alliierten zerstört, analog zur östlich gelegenen Dritten Einfahrt entstand so eine Deichlücke:

Im August 1967 schließlich wurde diese Deichlücke geschlossen.

Das alte Hafenbecken wurde seitdem z.B. von einem Schiffsmodellbauclub genutzt, im Winter trafen sich häufig viele Wilhelmshavener zum Schlittschuhlaufen.

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