Die Entwicklung des Hafens bis 1918

Der Hafen ist von Anfang an als Dockhafen, sprich mit Schleusenabschluss, geplant worden. Ein offener Hafen hätte aufgrund des starken Tidenhubs ungünstig hohe Kaimauern erfordert, zudem wären ständige Baggerungen zur Verhinderung von Verschlickung - die im 17. Jahrhundert das dänische Vorhaben bei Varel scheitern ließ - nötig gewesen. Alles in allem wären die Baukosten um ein vielfaches höher gewesen.

Die südöstliche Ecke des Hafenbaugebietes war der eingedeichte Dauensfelder Groden an der Fährhuck genannten Reede. Die (historisch gesehen!) erste Einfahrt - der späteren Alten, dann 2. Einfahrt - wurde auf dem Groden gebaut, die Molenköpfe der Einfahrt ragen über die Grodenkante in die alte Reede hinein.

Das Jadegebiet vor Beginn der Arbeiten. Die gestrichelten Linien zeichnen den Hafen nach Vollendung der 3. Baustufe um 1910:

Der Bauhafen der Werft war in den ersten Planungen zunächst lediglich als Reparatur- und Ausrüstungs-platz sowie Liegehafen vorgesehen. Erst in späteren Planungen wurde er zusätzlich als Bauplatz mit entsprechenden Werftanlagen konzipiert. Er wurde rund 1,5km landeinwärts gebaut, eine Entfernung, die über die Reichweite damaliger Schiffsartillerie hinausging. Somit entging man also nach damaligen Stand der Gefahr von Beschuss des Hafens und darin liegender Schiffe durch feindliche Flotten.

Einfahrt und Bauhafen wurden durch einen Hafenkanal miteinander verbunden, der aus südöstlicher Richtung kommend nach rund 100 Metern mit scharfer Krümmung in Westrichtung bog.

Zudem entstand ein weiterer Liegehafen an der Stelle der später gebauten "Neuen" bzw. "1. Einfahrt".

Für weitere Informationen und Bilder zur Einfahrt siehe hier: 2. Einfahrt

Nach Fertigstellung der 1. Baustufe 1870. Von der Hafeneinfahrt - der späteren Alten, dann   2. Einfahrt - führt der Hafen-Kanal, der später zum Ausrüstungshafen ausgebaut wird, zum Bauhafen der Werft. Diese hat zunächst nur am westlichen Ende 3 Docks und 2 Hellingen, zudem an der nordwestlichen Ecke einen Bootshafen:

Zweiter Bauabschnitt 1875 - 1886

Der Flottengründungsplan von 1873 und die Mängel an der Einfahrt machten eine Hafenerweiterung und den Bau einer weiteren Einfahrt notwendig. 1874 erarbeitete ein aus Admirälen, Marine-Hafenbaudirektoren, preußischen und bremischen Bauräten zusammengesetzter Admiralitätsrat Pläne für den Bau. Bereits im Mai 1875 wurde unter der Leitung des Hafenbaudirektors Rechtern mit den Baumaßnahmen begonnen, abgeschlossen wurden sie im wesentlichen im Herbst 1886.

Es entstanden (für weitere Informationen und Bilder jeweils anklicken): 

Neue Einfahrt,

Ausrüstungshafen,

Fluthafen

Neuer Hafen mit Nordwest- und Nordostkai, sowie Südwestkai.

Westlich der Neuen Einfahrt wurde zudem die (Alte) Torpedowerft errichtet.

Durch den Bau der Neuen Einfahrt entstand zudem zwischen den beiden Schleusenanlagen die Schleuseninsel, in deren Süden wurde der Fluthafen gebaut.

Am 13.11.1886 wurden die neuen Hafenanlagen feierlich eingeweiht, um 13.00 Uhr lief SMS "Friedrich Carl" als erstes Schiff durch die neue Schleuse.

In die Zeit der ersten Ausbaustufe fällt auch der Bau des Ems-Jade-Kanals von Emden nach Wilhelmshaven. 1880 - 1888 gebaut, mündete der Kanal bei der (Alten) Torpedowerft in den Neuen Hafen.

Nach Beendigung der 1. Ausbaustufe:

Dritter Bauabschnitt 1900 - 1910/14

Kaum, das die Baumaßnahmen der 1. Ausbaustufe abgeschlossen waren, erwiesen sich die vorhandenen Hafen- und Schleusenanlagen schon wieder als zu klein, um den steigenden Schiffsabmessungen und Bedürfnissen der Flotte zu genügen. 1897, noch vor Verabschiedung der Flottengesetze von 1898 und 1900, wurde an ersten Entwürfen für die 2. Ausbaustufe gearbeitet. Die Flottengesetze schließlich beschleunigten das Verfahren, 1900 begannen die Arbeiten.

Zuerst wurde auf der Nordseite des Bauhafens die Trockendocks IV - VI gebaut, der Bauhafen selbst vergrößert, ebenso der Tiefgang. Diese Arbeiten wurden 1908 abgeschlossen. 1901 begannen die Arbeiten an der 3. Einfahrt und der Ausbau des Nordhafens. Im Spätsommer 1909 waren diese Baumaßnahmen fertig. Um den großen Einheiten die Fahrt von der 3. Einfahrt zum Großen Hafen zu ermöglichen, wurde 1910 die bis dahin bis zum Ausrüstungshafen durchgehende Schleuseninsel durchstochen. So entstand nun zusätzlich die Hafeninsel. Kernstück der zweiten Ausbaustufe war neben der neuen Einfahrt vor allem die große Süderweiterung. Nach Norden hin war ein Ausbau des Hafens nicht mehr möglich. So wurde im Süden zwischen der neuen Einfahrt und Mariensiel durch Eindeichung Platz für die große Erweiterung geschaffen. Diese vorbereitenden Maßnahmen wurden 1905 - 1907 durchgeführt, die neu entstandenen Hafenanlagen konnten im wesentlichen ab 1910 genutzt werden. Die Häfen wurden in einer geraden Flucht mit einer Gesamtlänge von gut 4 km angeordnet. Dabei dachte man, den Hafen auch für einen Torpedoschießstand zu nutzen. Allerdings erhöhte sich die Reichweite von Torpedos innerhalb nur weniger Jahre auf über 7000m, so dass die Planungen für einen Schießstand ad acta gelegt wurden.

Für weitere Informationen zu den Baumaßnahmen des 3. Bauabschnitts siehe hier:

3. Einfahrt

Großer Hafen - Kohlenzunge

West- und Zwischenhafen sowie Strombau- und Kohlenhafen

Situation ab Fertigstellung der 3. Baustufe. Die UTO-Werft am Westhafen ist auf dieser Karte aus den 20er-Jahren mit "Deutsche Werke" gekennzeichnet:

Bericht aus "Reclams Universum Weltrundschau", Oktober 1910:

Ein Großteil der Hafenanlagen auf einem Bild aus den 20er-Jahren:

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