Torpedolagerhaus

Ansicht von Südwest, ca. 1920. Gut zu erkennen die Stahlträger zum Verladen von Torpedos. Rechts die direkt angeschlossene, eingeschossige, 1999 abgerissene "Griemhalle". Links im Hintergrund die Exerzierhalle:

Torpedolagerhaus Bontekai Gazellebrücke Wilhelmshaven
Quelle: Jahrbuch der Hafenbautechnischen Gesellschaft, Vierter Band 1921

Für das Torpedoressort der Kaiserlichen Werft baute das Hafenbauressort 1916/17 an der Gazellenbrücke (Bontekai) am Großen Hafen das Torpedolagerhaus. Allerdings war das Gebäude vielmehr eine Torpedo-werkstatt denn ein Lagerhaus. Im Erdgeschoss wurden Torpedos in mit dicken Betonwänden versehenen Kammern zusammengesetzt. Anschließend wurden sie im Obergeschoss mit Zündern ausgestattet. Für den Transport innerhalb des Gebäudes waren diverse Flaschenzüge, Zugmaschinen und Kranbahnen vorhanden. Die Torpedoboote wurden schließlich durch zwei Verladetüren mittels Stahlträger mit den Torpedos beladen.

Nach dem 1. Weltkrieg begann durch die Naphta-Industrie und Tankanlagen AG (NITAG) zunächst eine zivile Nutzung des Gebäudes. Das in den 20er- und 30er-Jahren sehr erfolgreiche Mineralölunternehmen unterhielt in Wilhelmshaven einen umfangreichen Ölumschlag und nutze das Gebäude als Lager und Werkstatt. Ende der 30er-Jahre ging das Gebäude an die Marine zurück, die dort eine Akkuladestation errichtete.

Mit dem Zusammenbruch des Dritten Reichs im Mai 1945 endete die militärische Nutzung endgültig. Zunächst war kurzfristig eine Schuhmacherei in einem Teil des Gebäudes, 1951 schließlich übernahm die Kammgarnspinnerei Müller & Raschig zusammen mit der benachbarten Exerzierhalle das Gebäude. 1993 endete der Betrieb. Es folgten mehrere Jahre Leerstand.

Anlässlich der "Expo am Meer", Wilhelmshavens Beitrag zur Expo 2000 in Hannover, erfolgte ab 1998 der Umbau zur virtuellen Unterwasserwelt "OCEANIS". Die Ausstellung blieb auch nach dem Ende der Expo, schloss aber im Oktober 2009 seine Pforten. 

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