15.01.05

in diesen Tagen wurde die Firma Holzmann u. Co., in Frankfurt am Main, der Bau der zwei Großschleusen der 3. Hafeneinfahrt übertragen. Die Kosten für diese Bauwerke belaufen sich auf insgesamt 6 Millionen Mk. Die Firma Holzmann u. Co. Ist hier in Wilhelmshaven schon seit einigen Jahren auch mit dem Ausbau des Hafens betraut.

 

19.01.05

Der Magistrat legte in der letzten Sitzung des Bürgervorsteher-Kollegiums einen Plan hinsichtlich des Baues einer Hafenbrücke vor. Danach solle eine drehbare Hochbrücke im Zuge der Manteuffelstraße, von der Roonstraße (Rheinstr.) an aufstrebend bis zur Augustenstraße, schräg über den Hafen führen. Die Brücke soll so hoch sein, dass Kriegsschiffe mit zehn Meter Höhe über Wasser hindurchfahren können.

 

22.01.05

Der Anteil des Binnenlandes an der Gestellung der Marinerekruten ist in dem Zeitraum 1903/04 folgender: Das Reichsland Oberelsaß stellte 800, ihm am nächsten kam Bayern mit 466. Baden stellte 404 Mann für die Marine, Württemberg 287 und Sachsen 435. Von diesen Rekruten erfuhr der überwiegende Teil in Wilhelmshaven seine Ausbildung.

 

25.01.05

Die Kaiserliche Werft gibt bekannt, dass am 27. Januar d. Js., dem Geburtstage Seiner Majestät des Kaisers, die Arbeit auf der Werft ohne Lohnabzug ruht. Die Arbeiterzüge Richtung Varel und Jever werden an diesem Tage nicht fahren, so dass das Publikum auf entsprechend früher fahrende Züge ausweichen muß, um rechtzeitig in Wilhelmshaven zu sein.

 

Nach dem es möglich war, von jedem Telephonanschluß mit jedem Marineteil hier am Orte und umgekehrt zu sprechen, ist dies seit gestern nicht mehr möglich, weil das hiesige Postamt dies nicht mehr als zulässig erachtet. Will man in Zukunft einen Marinteil telephonisch erreichen, so muß die Verbindung über das Stationskommando hergestellt werden, wozu dieses aber nicht verpflichtet ist.

 

31.01.05

In den letzten Tagen ist es morgens in der Marktstraße, in der die Arbeiter dicht gedrängt auf dem Wege zu ihrer Arbeit auf der Kaiserlichen Werft sind, zu Unfällen gekommen, weil Radfahrer ohne die vorgeschriebene Beleuchtung von den zur Arbeitsstelle Strebenden umgestoßen werden. Die Polizei sollte ihr Augenmerk auf diese Tatsache richten.

 

16.02.05

Von der Hannoverschen Maschinenbau-Aktiengesellschaft, vormals Egestorf, sind gestern mit einem Gütersonderzug für das Kesselhaus der Maschinenwerkstatt der Kaiserlichen Werft zwei neue Dampfkessel angekommen. Dieselben werden als viertes Paar in dem Kesselhause von oben genannter Firma installiert.

 

17.02.05

Das Kriegsgericht verhandelte gegen den Matrosen H. von der 2. Werft-Division wegen Hausfriedensbruch und Beamtenbeleidigung. H. hatte um die Hand der Tochter eines Werftsekretärs angehalten. Der Vater, wenig erbaut von dieser Liaison, verwies den jungen Mann des Hauses. Weil dieser sich der Aufforderung verweigerte und den Vater „Beamtenesel“ nannte, kam es zur Anzeige. Das Verfahren wurde mit einer strengen Ermahnung eingestellt.

 

19.02.05

Die Erweiterung unseres Kriegshafens im Südwesten hat neben anderen gewaltigen Umwälzungen auch eine Verlegung der Zuwegungen aus der Stadt zum Strande zur Folge. Die Kanalbrücke im Zuge der Kronprinzenstraße (heute Moselstr.) und die Brücke in der Deichstraße werden verschwinden und dafür entstehen weiter im Osten den Verkehrsverhältnissen angepasste Drehbrücken.

 

26.02.05

Zu den Wohlfahrtseinrichtungen der Kaiserlichen Werft gehört auch die Kochschule, die unter der Leitung von Frau Konteradmiral Wodrig steht. Hier erlernen junge Mädchen aus Wilhelmshaven und den Orten des Amtes Rüstringen, welche in den letzten Schuljahren oder bereits aus der Schule entlassen sind, neben dem Kochen einfacher Gerichte, auch die Kenntnisse der Haushaltsführung.

 

04.03.05

Morgen Vormittag, um 11 Uhr, findet eine Probeaufstellung zur Spalierbildung der hiesigen Marineteile anlässlich des Kaiserbesuchs statt. Da die Disposition S. M. des Kaisers jetzt bekannt sind, wird das Spalier vom Bahnhof durch die Roon- (jetzt Rheinstr.) und Manteuffelstraße bis zum Exezierhaus der II. Matr.-Div. und von dort durch die Bismarck- und Gökerstraße zum Offizierkasino stehen.

 

07.03.05

Unser Kaiser hat Wilhelmshaven in den frühen Morgenstunden – gegen 3 ½ Uhr – verlassen. Gestern blieb er infolge einer leichten Erkältung an Bord und suchte erst gegen Abend das Offizierkasino auf, um an einem Bierabend teilzunehmen. Gegen 11 Uhr kehrte der Kaiser an Bord zurück. Möge sich der Kaiser an die Tage in Wilhelmshaven recht gut erinnern.

 

19.03.05

Die Feuerwehr der hiesigen kaiserlichen Werft hat für ihren Bedarf jetzt eigene und besonders kräftige Pferde erhalten. Dieselben werden zu allen Tageszeiten durch Feuerwehrmänner auf der Werft herumgeführt, um sie dadurch mit der Örtlichkeit vertraut zu machen. Bisher wurden die Pferde im Bedarfsfall von Herrn Unternehmer Bahr gestellt.

 

24.03.05

Drei Matrosen ließen sich in einem Lokal in der Marktstraße einschließen und plünderten die Automatenkasse. Auch einige Türschlüssel nahmen sie mit. Die Täter konnten in Haft genommen werden. Einer von ihnen erschien unverdächtig und wurde entlassen. Dieser, ein Matrose zweiter Klasse, desertierte sofort. Die beiden anderen kommen nächstens vor das Kriegsgericht.

 

31.03.05

In der kommenden Woche werden abends in der Hafenkaserne Beleuchtungsversuche mit Gasglühlicht vorgenommen. Eine Kommission von Marine-Ingenieuren, der auch der Garnisionarzt angehört, wird ein Gutachten über diese Erprobung erstellen. Die Versuche dienen dem Vergleich von Gasglühlicht mit elektrischer Beleuchtung.

 

02.04.05

Der festliche Akt der Enthüllung des Bismarck-Denkmals ging am gestrigen Nachmittag um vier Uhr vor sich. Schon vor 3 Uhr bewegten sich aus allen Stadtteilen kleine Völkerwanderungen auf den zum Festplatz führenden Straßen. Um 4 Uhr eröffnete die Kapelle der 2. Matrosen-Division den Festakt.

 

11.04.05

In vergangener Nacht wurde der Obermaschinistenmaat Lambert, als er mit seiner Braut um 9 ½ Uhr die Grenzstraße passierte, von hinten niedergeschlagen und von mehreren Angreifern mit Tritten und Schlagringen traktiert, während seine Braut mit gellender Stimme, aber vergeblich, um Hilfe rief. Obwohl sich die Klagen über die nächtliche Unsicherheit in Bant häufen, ist man gegebenen Ortes taub.

 

12.04.05

In der gestrigen Generalversammlung der Aktionäre der „Wilhelmshavener Aktien-Brauerei“ konnte man dem Geschäftsbericht für das verflossene Jahr u.a. entnehmen, dass der Umsatz von 1904 den von 1903 nicht ganz erreichte. Dies ist darauf zurückzuführen, dass die Schiffe der Kaiserlichen Marine weniger als sonst hier anwesend waren.

 

28.04.05

Die Kaiserliche Werft hat an die Stadt Wilhelmshaven einen Antrag gestellt, der die Einbeziehung der südlichen Brunnenstraße und Grünstraße in das Werftareal zum Inhalt hat. Der Magistrat beschloß, diese Straßen im Bebauungsplan der Stadt zu streichen. Das Bürgervorsteherkollegium überwies die Angelegenheit der Wegekommission.

 

26.05.05

Auf der Kaiserlichen Werft auf der Helling II wird zur Zeit von der Gutehoffnungshütte, Duisburg, eine Taucherglocke (Caisson) montiert. Dieselbe hat annähernd die Größe der beim Dockneubau in Gebrauch befindlichen und soll bei den Arbeitern an der entstehenden Dritten Hafeneinfahrt Verwendung finden.

 

27.05.05

Durch Achtlosigkeit eines Kellnerlehrlings entstand gestern Nachmittag in einer Bodenkammer des Werftspeisehauses ein Feuer. Der Lehrling rief die Werftfeuerwehr zur Hilfe, die sehr schnell erschien und den Brand in kürzester Zeit ohne Feuerspritze löschte. Der Schaden ist unbedeutend.

 

08.06.05

Ein Unfall, bei dem eine Person zu Schaden kam, ereignete sich gestern auf der Kaiserlichen Werft. Der Schiffszimmermann Janssen, Bant, stürzte von einem Hellinggerüst auf den Schiffszimmermann Herrn Müller, Gemeinderat zu Bant. Der Janssen erlitt dabei keine Verletzungen, während Herr Müller ärztliche Hilfe brauchte.

 

11.06.05

Für das Marine-Lazarett sind größere Baumaßnahmen vorgesehen. Man ist seitens der medizinischen Sachverständigen, anlässlich der Erkrankungen an Genickstarre, zu dem Schluß gekommen, dass der Isolierbereich für mit ansteckenden Seuchen Erkrankte nicht dem Stand der Zeit entspricht. Jetzt soll ein von den anderen Gebäuden getrenntes Isolierhaus errichtet werden.

 

02.07.05

Der Verdacht auf Genickstarre hat sich bei dem Maschinisten-Assistenten der 2. Torpedoabteilung bestätigt. Aus diesem Grunde wurde alle Mannschaften der Hulks „Gazelle“ und „Bismarck“ ausgeschifft und im Exerzierschuppen der 2. Matrosen-Division unter Quarantäne gestellt. Die Hulks werden einer gründlichen Desinfektion unterzogen.

 

20.07.05

Die neue Warmbadeanstalt der Kaiserlichen Werft eröffnet am 22. d. Mts. Wannenbäder für Arbeiter kosten 0,20 Mk. Brausebäder kosten nichts. Die Bäder der Arbeiter befinden sich im Erdgeschoß und zwar die für Erwachsene in der rechten und die für Lehrlinge und Jungen in der linken Halle. Die der Beamten liegen im Dachgeschoß. Eine Badewanne darf nur 25 Minuten benutzt werden.

 

27.07.05

Das vielgeschmähte Wilhelmshaven hat einen wahren Fürsprecher erhalten in der Gestalt eines soeben erschienenen Buches, das den Titel führt: „Vierzig Jahre in einem deutschen Kriegshafen“. Die Verfasserin des Buches ist die allen hiesigen Kreisen wohlbekannte Witwe des früheren Lotsenkommandeurs v. Krohn, die 40 Jahre hier gelebt hat und vor einigen Jahren nach Hannover verzog.

 

30.07.05

Wie jetzt seitens des Marinefiskus bekannt gegeben wird. Sollen die ältesten Häuser der Werfthäuser-Kolonie in Bant demnächst zum Abbruch verkauft werden. Über die Höhe der Verkaufssumme ist bisher noch nichts bekannt gegeben worden, doch kann von einer äußerst günstigen Erwerbsgelegenheit für die Grundstücke ausgegangen werden.

 

01.08.05

Auf der Kaiserlichen Werft schreitet eine neue Taucherglocke ihrer Vollendung entgegen. Voraussichtlich wird sie in zwei Monaten in Betrieb genommen werden. Der Doppelrumpf des Glockenträgers ist bereits zu Wasser gelassen und das Glockentragegestell ist auf den beiden Tragerümpfen montiert. Die Taucherglocke kommt beim Bau der hiesigen neuen Hafeneinfahrt zum Einsatz.

 

06.08.05

Neue Dienstabzeichen haben die den Eisenbahndienst auf der kaiserlichen Werft wahrnehmenden Rangierer und Weichenwärter erhalten. Die Abzeichen haben die Größe einer Hand und sind schwarz lackiert. Im oberen Drittel ist die Inschrift „Kaiserliche Werft“ erhöht ausgeführt. Darunter das mit der Krone geschmückte geflügelte Rad der Eisenbahner und die Dienststellung des Schildinhabers.

 

15.08.05

Nach einer verstrichenen Frist von fast zwei Monaten ohne Erkrankungen an Genickstarre, traten gestern Anzeichen bei einem Maschinisten-Maaten der 2. Torpedo-Abteilung auf, die den Verdacht der Genickstarre erweckten. Der Kranke wurde zur Beobachtung in das Isolierhaus des Marinelazaretts gebracht.

 

22.08.05

Bei einem seit langem bestehenden Bedürfnis hat die Garnison-Verwaltung Abhilfe geschaffen, indem sie in den fiskalischen Anlagen und bei den Kasernen Drahtkörbe zur Aufnahme von Papier und sonstige Abfälle angebracht hat. Die Leerung derselben wir ebenfalls von der Garnison-Verwaltung veranlasst.

 

23.08.05

Wegen nicht hinnehmbarer Vorfälle in Deutsch-Ostafrika wurde gestern angeordnet, dass Teile des hier stationierten 2. Seebataillons mobil gemacht werden. Das hier zusammengestellte Truppenkontingent fährt von hier nach Triest, wo es zusammen mit einer Kompagnie des Kieler Seebataillons nach Ostafrika eingeschifft wird.

 

25.08.05

Eine eigenartige Zierde hat die Ecke zwischen Werfttor und der großen Drehbrücke erhalten. Auf diesem Platz, der eine gärtnerische Anlage erhalten soll, hat eine Figur auf einem Postament Aufstellung gefunden, die von der Ferne aus gesehen einem Vogel ähnelt. Die Figur war früher die Bugverzierung der alten „Habicht“.

 

27.08.05

Die Kasernenneubauten zwischen Heppens und den Schießständen schreiten rüstig der Fertigstellung entgegen. Zur Zeit sind die vier Hauptgebäude – an jeder Seite des im Viereck liegenden Bebauungsplanes je eines – gerichtet und erhalten ihren Innenausbau. Die erforderlichen Nebengebäude sollen bis Oktober im Rohbau erstanden sein.

 

12.09.05

Das neue Elektrizitätswerk der Kaiserlichen Werft an der Ecke Hinterstraße und Gökerstraße wurde fertiggestellt und gestern morgen im Rahmen eines kleinen Festaktes seiner Bestimmungen übergeben. Gestern erstrahlte des ganzen Abend und die Nacht hindurch der Platz vor dem Gebäude im hellen Lichte zweier starker Bogenlampen.

 

19.09.05

Die neue Torpedokaserne ist soweit fertiggestellt, dass die Fouriere dabei sind, das Kasernenmaterial zu übernehmen. Der hübsche Bau hat noch einen äußeren Schmuck durch die Uhr über dem Haupteingang erhalten. Auch die Bogenmauer am Marktplatz, die noch einen Marktbrunnen erhalten soll, ist ein gutes Stück fortgeschritten.

 

06.10.05

Die durch die „Vossische Zeitung“ hierher gelangte Meldung, das Kronprinzenpaar werde am Stapellauf des Linienschiffes „P“ auf hiesiger Kaiserlicher Werft teilnehmen, wird von Berlin nicht bestätigt. Verschiedene Vorbereitungen, die man hier trifft, können zu dem Glauben berechtigen, dass sich das Gerücht bestätigen wird.

 

07.10.05

Zwei Marinereservisten drangen am Freitagabend in der Marktstraße mit dem Messer auf einen Korvettenkapitän ein und brachten ihm mehrere Stiche bei. Ein anderer Marinereservist, der dem Offizier zu Hilfe eilte, erhielt einen Stich in die Hand. Der Angriff soll geplant gewesen sein. Die Messerhelden sind verhaftet und Verletzten in ärztlicher Obhut.

 

17.10.

Staatssekretär v. Tirpitz weilt seit vorgestern abend in unserer Stadt. Gestern besichtigte er das Linienschiff „Hannover“ und die neuen Trockendocks, sowie die Bauten der Dritten Hafeneinfahrt. Am Mittag begab sich der Admiral von Tirpitz um 2 Uhr zur Mittagstafel ins Hotel Loheyde. Für heute ist eine Teilnahme an eine Automobiltour mit dem Stationschef Exz. Admiral Benderman geplant.

 

18.10.

Die Kammerschleuse der Zweiten Hafeneinfahrt wird zur Zeit durch das Einsetzen eines bogenförmigen Pontons um mehrere Meter verlängert. Hierdurch bietet sie dann auch den größten Schiffen die Möglichkeit des Einschleusens. Durch die Arbeiten wird das Ein- und Ausschleusen nicht behindert. Der Fuhrverkehr über die Schleuse ist eingeschränkt.

 

31.12.

Das neue Jahr, so ist jetzt schon abzusehen, wird eine große Veränderung am Hafen mit sich bringen. Seit einigen Tagen baut die Firma Gustavsburg ihre Gerüste am Bauhafen ab und transportiert sie zur Süderweiterung. Hier werden in den nächsten Tagen im Zuge der Oldenburger Straße die Vorarbeiten für die Erbauung der Hochbrücke beginnen.

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