15.01.

Für die Marine ist die Neuanfertigung von Röcken untersagt worden. Wo noch das Tragen des Rocks üblich war, kann jetzt an seiner Stelle das Jackett treten. Auch kann an dessen Stelle der Rock als Kriegs- und Straßenanzug getragen werden, um die Bestände aufzubrauchen. Das Jackett darf aus allen Arten marineblauer Stoffe gefertigt werden, die Dienstrangabzeichen können an Stelle von Ärmelstreifen durch Achselstücke, für die solche aus Baumwollgeflecht gewählt werden können, ersetzt werden.

 

17.01.

Da täglich Bitten von unseren kriegsgefangenen Deutschen, hauptsächlich Marineangehörige, aus dem Ausland eingehen und das Rote Kreuz unseren Soldaten, die zur Front kommen, auch weiter eine Freude mit Rauchwaren bereiten möchte, hat sich das Rote Kreuz entschlossen, eine Haus- und Straßen-Geldsammlung zu veranstalten, um Rauchwaren beschaffen zu können.

 

17.02.

Für die alleinstehenden und in Baracken untergebrachten Werftarbeiter hat der Werft-Wohlfahrtsverein Vorträge veranstaltet, die sich eines steigenden Zuspruches erfreuen. Assessor Dr. Ebert sprach über Heimatschutz und Heimatpflege, Rechtsanwalt Nagel über Rechtsfragen, während Dr. Siebs humoristische Vorlesungen hielt und Diplom-Ingenieur wissenschaftliche Fragen behandelte. Es zeigt sich bei diesen Vorträgen, daß nicht nur materielle Bedürfnisse herrschen, sondern auch ein starkes Bedürfnis nach geistiger Kost.

 

13.03.

Nachdem sich die Bezugsscheinpflicht für die Bekleidung der Zivilbevölkerung als durchaus geeignet für die Streckung der Vorräte erwiesen hat, wird nunmehr auch zu einer Rationierung der noch vorhandenen Uniformen und Uniformstoffe geschritten. Es wird eine Kleiderkarte für Offiziere eingeführt werden. Alle dem Offiziersstande angehörenden Personen erhalten eine solche Karte, in die jede Neuanschaffung eingetragen wird, und ohne die kein Bekleidungsstück ausgehändigt werden darf. Der bisherige Bestand an Kleidung braucht nicht angegeben werden.

 

15.03.

Die Liste der Geretteten vom Kriegsschiff "Breslau", das am 20. Januar vor den Dardanellen auf einem feindlichen Minenfeld versank, ist bei den Marinebehörden eingegangen. Gerettet wurden einschließlich der Offiziere und 5 Türken 162 Mann, die sich in englischer Gefangenschaft befinden. Nur ein kleiner Teil der "Breslau"-Besatzung entstammte der Marinestation Nordsee. Die Angehörigen der Helden der "Breslau" werden durch die zuständigen Marinestellen benachrichtigt. Die Adressen der in England untergebrachten Geretteten liegen noch nicht vor.

 

09.06.

Der Wohlfahrtsverein veranstaltet am Donnerstag im Werftspeisehaus einen Vortragsabend. An der Hand interessanter Lichtbilder wird Herr Oberlt. Schropp über die Großkampftage auf allen Fronten sprechen.

 

29.06.

Am 1. Juli veranstaltet die Kapelle des Reserve-Infanterie-Regiments Nr. 259 im PArkhause ein Wohltätigkeitskonzert. Die 35 Musiker zählende Kapelle ist aus dem Felde beurlaubt worden, um in größeren Städten Nordwestdeutschlands zugunsten ihrer Regimentsangehörigen Konzerte zu geben. Die Musikfolge ist sehr reichhaltig. Bei ungünstigen Wetter findet das Konzert im Saale statt.

 

26.07.

Das Herumtreiben von Schulkindern auf der Werft nimmt, wie uns die Werftverwaltung mitteilt, wieder zu. Da zwecklos sich herumtreibende Jungens leicht verunglücken oder in den Verdacht des Diebstahls kommen können, sollten die Eltern den Kindern das Betreten der Werft verbieten. Die Werft wird in Zukunft keinem Jugendlichen den Zutritt gestatten und untersagt namentlich den Zeitungsverkauf durch Kinder.

 

16.08.

Anlässlich des Scheidens des Herrn Admirals Scheer aus Wilhelmshaven infolge seiner Ernennung zum Chef des Admiralstabes der Marine hat der Magistrat der Stadt Wilhelmshaven dem verdienten Führer der Hochseeflotte das Ehrenbürgerrecht der Stadt angeboten.

 

Nach einer Bekanntmachung des Kriegsversorgungsamtes wird mit Beginn der neuen Brotlieferungswoche die allgemeine Brotration für Zivilpersonen von 1650 auf 1850 und für Militärpersonen von 2150 auf 2350 Gramm für die Woche erhöht. Der Preis erhöht sich entsprechend dem Mehrgewicht, das gegeben wird.

 

31.08.

Die öffentlichen Militärkonzerte, die bei besonderen Gelegenheiten in Rüstringen stattfanden, wurden von der Bürgerschaft allgemein sehr beifällig aufgenommen. Auf mehrfache Anregung hin hatte daher die Stadtverwaltung die Kaiserliche Kommandantur gebeten, die Promenadenkonzerte wie in Wilhelmshaven so auch in Rüstringen zu einer ständigen Einrichtung zu machen. Die Kommandantur hat nun an den Magistrat die Mitteilung gelangen lassen, daß die Musik für die Promenadenkonzerte im Sommerhalbjahr 1918 bis Ende September gestellt sind.

 

10.09.

Im "Banter Bürgergarten" fanden zwei große Marine-Streichkonzerte statt, ausgeführt vom Musikkorps der Hochseestreitkräfte, unter der persönlichen Leitung des Herrn Obermusikmeisters Gustav Richter. In beiden Konzerten wirkte das Doppelquartett "Rheinland" mit, das den gesanglichen Teil bestritt. Vom Musikkorps wurden eine Reihe bester Musikwerke rühmlichst bekannter Meister zu Gehör gebracht und in höchster Vollendung ausgeführt.

 

27.09.

Das erste Eisenbetonschiff hat in Cuxhaven im Amerikahafen Liegeplatz genommen. Es ist ein Leichter, der für die Kaiserliche Werft in Wilhelmshaven bestimmt ist und sich dorthin von seiner Hamburger Bauwerft im Tau eines Schleppdampfers befindet. Der stürmischen Witterung wegen hat der Schleppzug in Cuxhaven Zwischenstation gemacht. Vor einigen Tagen ist dort ebenfalls auf der Fahrt von Hamburg nach Wilhelmshaven der erste Riesenbeton-Motorschoner passiert. 

 

09.11.

Das Straßenbild, das in den vergangenen Tagen ungewöhnlich belebt war, hat seit heute wieder das gewohnte ruhigere Aussehen, da die Arbeit auf der Kaiserlichen Werft wieder im vollen Umfang aufgenommen worden ist und die Soldaten sich in den Kasernen aufhalten. Der Verkehr bei Post und Eisenbahn wickelt sich ohne Störungen ab. Zum Glück sind bisher nirgends Versorgungsschwierigkeiten entstanden. In den Vergnügungslokalen herrschte in den vergangenen Tagen abends reges Leben. Hier merkte man nichts von einer großen Volksbewegung.

 

13.11.

Der Großherzog von Oldenburg ist abgesetzt, Oldenburg-Ostfriesland wurde zur Republik erklärt und zum Präsidenten dieser sozialistisch-republikanischen Einheit Genosse Bernhard Kuhnt gewählt.

*

Dem Kriegsversorgungsamt ist es möglich geworden für die Zimmer ohne Lichtanlage der alleinstehenden Rüstungsarbeiter, die bei Familien wohnen, deren Wohnung an die Gas- oder elektrische Lichtleitung angeschlossen ist, Leuchtstoffkarten abzugeben.

 

14.11.

Bei den Hansa-Lloyd-Werken wurde ein Feuer gemeldet. Die Ursache war nicht bekannt. Ein größerer Schaden ist nicht entstanden, da das Feuer durch das Eingreifen der Vareler Wehr und Wilhelmshavener Feuerwehr auf seinen Herd beschränkt werden konnte. Die Direktion der Hansa-Lloyd-Werke sprach dem Arbeiter- und Soldatenrat Wilhelmshaven für das schnelle Eingreifen lobendste Anerkennung aus.

 

15.11.

Wie uns der Arbeiter- und Soldatenrat mitgeteilt hat, ist die Verpflegung der Bevölkerung in den Jadestädten völlig sichergestellt. Es sind genügend Lebensmittel für alle Militär- und Zivilpersonen vorhanden, selbst dann, wenn die Kommunalversorgung versagen sollte, was aber kaum zu erwarten ist.

 

16.11.

Die wirtschaftliche Lage der Jadestädte wurde in einer gemeinschaftlichen vertraulichen Sitzung erörtert, die Magistrat und Bürgervorsteherkollegium im Rathaussaale abhielten. Der Bürgermeister teilte mit, daß der Marinewerft ein Auftrag zum Bau von 26 Fischdampfern, sowie einer Anzahl von Kauffahrteischiffen erteilt sei. Damit könne die Beschäftigung der Werft für lange Zeit hinaus als gesichert angesehen werden. Auch die Vornahme wichtiger Instandsetzungsarbeiten werde eine Reihe von Arbeitern Beschäftigung gewähren.

 

05.12.

Die Weinverteilung aus den Beständen des Offizierskasinos bringt dadurch, daß sie nur an einer Stelle stattfindet, große Unzuträglichkeiten mit sich. Viele Leute, die am Vor- und Nachmittage zwei und drei Stunden warteten, mußten unverrichteter Sache wieder nach Hause gehen. Es dürfte sich empfehlen, die Weinverteilung an mehreren Stellen vorzunehmen.

 

06.12.

Auf eine telegraphische Anfrage des Stellvertretenden Generalkommandos des 10. A.-K. in Berlin betr. Gerüchte über eine bevorstehende Besetzung von Norderney und Wilhelmshaven durch die Engländer ist folgende Antwort eingegangen: "Gerücht, daß Norderney und Wilhelmshaven in Kürze besetzt werden, ist unzutreffend. Die Verbündeten haben nur das Recht, sich zu überzeugen, ob die Demobilisierung der Flotte durchgeführt wird. Staatssekretär Erzberger".

 

08.12.

Der erste Truppentransport mit Frontsoldaten wird voraussichtlich heute hier eintreffen, es ist aber bei dem jetzigen Eisenbahnverkehr nicht ausgeschlossen, daß sich sein Eintreffen bis morgen früh verzögert. Wie wir hören, geht der erste Transport heute nachmittag um 2.45 Uhr von Münster ab. Sein Eintreffen hierselbst hängt aber von vielen Zufälligkeiten ab, daß eine bestimmte Stunde hierfür nicht angegeben werden kann.

 

19.12.

In der Nacht zum Montag und vormittags trafen wiederum einige Kompanien der Marine-Infanterie hier ein. Sie wurden von den Musikkorps an der Bahn empfangen und zur Kaserne des 2. Seebataillons an der Gökerstraße

geleitet, wo sie Quartier erhielten.

 

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