11.01.

Das Kriegsgericht verurteilte den Oberfeuerwekrsmaaten Otto Meyer wegen Beleidigung des Generalmajors v. Bodungen, Inspekteur der Marine-Infanterie, zur Degradation und zu zwei Monaten Gefängnis. Meyer hatte den Generalmajor nicht gegrüßt und auf dessen Frage, ob er ihn denn nicht sehe, mit "Jawohl" geantwortet. Als der Generalmajor mit den Worten "So machen Sie doch eine Ehrbezeugung" weiterging, sagte Meyer zu Umstehenden: "So'n Bauer".

 

30.04.

Der Chef der Nordsseestation, Seine Exzellenz Admiral Graf von Baudissin, tritt heute einen mehrwöchigen Erholungsurlaub an. Die Vertretung in den laufenden Geschäften übernimmt der älteste in Wilhelmshaven anwesende Flaggoffizier.

 

16.06.

Vor dem Kriegsgericht ist der Masch.-Anw. Sch. wegen beharren im Ungehorsam, Beleidigung und Achtungsverletzung in zwei Fällen, das letztere vor versammelter Mannschaft, angeklagt. Der Oberstabsarzt gibt sein Zeugnis dahin ab, daß der Angeklagte sich bei Begehung der Straftaten in einem durch reichlichen Alkoholgenuß hervorgerufenen Dämmerzustand befunden habe. Das Gericht verfügte, daß der Angeklagte zur weiteren Beobachtung auf sechs Wochen in einer Irrenanstalt untergebracht wird.

 

21.06.

Festgenommen wurde gestern abend von dem vor dem Kasernement "Rüstringen" (gemeint ist das Kasernement "Heppens", Mühlenweg)  stehenden Posten eine Zivilperson, die die Kasernenmauer zu überklettern suchte. Der Mann wollte angeblich in den noch unbenutzten Kasernen nächtigen.

 

30.06.

Das 1. Geschwader lief gestern am Spätnachmittage in die Jade ein. Um 6.45 Uhr wurden am nördlichen Horizont dunkle Rauchstreifen bemerkbar, und bald erkannte man die dunkle Masse der Schiffsrümpfe und die hohen Masten der Panzer. In gleichen Abständen nahten die in Kiellinie fahrenden sieben Schiffe, an der Spitze "Ostfriesland"

 

02.07.

Ein großes Arbeiterspeisehaus soll auf dem Gelände der in der Entstehung begriffenen Torpedowerft errichtet werden. Die neue Torpedowerft soll größere Abmessungen erhalten als die bisherige. Sie soll mit einem weitreichenden Torpedo-Schießstand versehen werden.

 

03.07.

Der Linienschiffskreuzer "Goeben", der nach seinem am 28.März 1911 auf der Hamburger Werft von Blohm & Voß erfolgten Stapellauf der Marinestation der Ostsee und der Kieler Marinewerft zugeteilt wurde, ist jetzt durch Kabinettsorder zur Marinestation der Nordsee versetzt und der Werft in Wilhelmshaven zugeteilt worden.

 

01.08.

Mit dem 1. August beginnt die Zeit, innerhalb welcher die Anmeldungen bei der Inspektion des Bildungswesens der Marine für die nächstjährige Einstellung der Seekadetten zu wirken sind. Es tritt deswegen jetzt an viele Eltern die Frage heran, ob sie ihre Söhne für die Seeoffizierslaufbahn erst das Abiturientenexamen ablegen lassen oder sie mit dem Primanerzeugnis der Seekadetten-Eintrittsprüfung unterwerfen sollen

 

17.08.

Der Werftdampfer "Daunsfeld", der sich auf der Fahrt von Wilhelmshaven nach Kiel befand, war auf Scharhörn-Riff in der Außen-Elbe aufgerammt und sitzen geblieben. Acht Schleppdampfer liefen von Cuxhaven zur Hilfeleistung aus. Es gelang dem Werftdampfer jedoch mit eigener Kraft wieder flott zu werden, doch hat er Beschädigungen am Hintersteven erlitten.

 

04.09.

Seltenes Strandgut wurde von dem Arbeiter Aug. von Lienen und dessen Sohn bei Eckwarden geborgen. Es handelt sich um einen Torpedo neuester Konstruktion, der bei den Schießübungen in Wilhelmshaven verloren gegangen war. Eine Abteilung Matrosen nahm den Ausreißer in Empfang. Da ein Torpedo großen Wert hat (man spricht von 10.000 Mark) dürfte den Bergern eine gute Belohnung sicher sein.

*

Der Stationschef Admiral Graf von Baudissin hat der Stadt Wilhelmshaven ein Geschenk gemacht, das nach Jahren als historisches Dokument von hohem Wert sein kann. Es ist das erste aus einem Luftschiff über Wilhelmshaven abgegebene Telegramm, das Graf Zeppelin am 5. Juni 1913 selbst an den Herrn Stationschef ausgefertigt und beim Überfliegen der Stadt mit dem Luftschiff "LZ 12" herabgeworfen hat.

 

08.09.

Auf dem großen Exerzierplatz standen sich die Fußballmannschaften der beiden Schiffe "Posen" und "Hessen" im Entscheidungsspiel um die deutsche Flottenmeisterschaft gegenüber. Die "Hessen" war in den beiden letzten Jahren siegreich geblieben und hätte den vom Prinzen Heinrich geschenkten wertvollen Deutschland-Schild endgültig gewonnen, wenn es nicht "Posen" gelungen wäre, den alten Meister mit 2:1 Toren zu bezwingen.

 

Im Torpedohafen herrscht gegenwärtig reges Leben. Fünf Torpedobootsflottillen mit 72 Boote sind hier eingelaufen, um Kohlen zu nehmen und kleinere Reparaturen auszuführen. Die Boote hatten unter dem schlechten Wetter sehr zu leiden. Auf vier Booten ist die Kommandobrücke durch überkommende Seen stark beschädigt worden. Auch sind Verletzungen der Mannschaften vorgekommen.

 

19.09.

Kurz vor Schluß der Übungen der Manöverflotte in der Nordsee ist unsere Marine leider noch von einem sehr beklagenswerten Unglück betroffen worden, dem 7 ihrer Angehörigen zum Opfer gefallen sind. Das Torpedoboot "G 171" wurde bei einem Durchbruchsmanöver in der Nähe vom Weser-Feuerschiff vom Linienschiff "Zähringen" angerannt und mitten durchschnitten. Das Achterteil des Bootes sank nach etwa einer Minute, während das Vorderteil sich noch etwa 15 Minuten über Wasser halten konnte.

 

24.09.

Nach Beendigung der Manöver vor dem Kaiser, die in den letzten Tagen bei zeitweise ziemlich aufgeregter See hohe Anforderungen an das Personal und Material stellten, ist die gesamte Flotte in die Jade eingelaufen. Zahllose auswärtige Gäste waren in mehreren Extrazügen teils aus weiter Ferne herbeigeeilt, um den grandiosen Schauspiel beizuwohnen. Allein der von Hannover abgelassene Zug brachte 2400 Passagiere.

 

28.09.

Da nach der Fertigstellung der neuen Torpedowerft am 1.Mai 1914 wahrscheinlich eine erhebliche Verschiebung der wirtschaftlichen Verhältnisse eintritt, besonders werden viele Arbeiter dann nach Rüstringen ziehen, ist der Gesamt-Stadtrat von Rüstringen dem Gedanken des Baues einer neuen Volksschule nähergetreten. Die Platzwahl soll bis zum 1. November abgeschlossen sein.

 

29.09.

Das große angelegte Werk der Jade-Regulierung, das bereits im Rechnungsjahr 1903 seinen Anfang nahm, naht nunmehr seinem Abschluß. Um dem Jadefahrwasser durchgehend die für die großen Schlachtschiffe erforderlichen Tiefe von mindestens zehn Meter bei Niedrigwasser geben zu können, waren nach durchgeführten Vermessungen weitgehende Baggerungen notwendig.

 

09.10.

Die Forts Rüstersiel, Mariensiel und Schaar sind wieder mit Rekruten belegt worden. Rüstersiel hat 400 Mann, Mariensiel 200 und das Fort Schaar 250 Mann erhalten.

 

10.10.

Die Linienschiffe "Ostfriesland", "Thüringen", "Helgoland", "Oldenburg", "Posen" und "Rheinland" sowei die Depeschenboote des 1. Geschwaders haben heute früh Wilhelmshaven verlassen und sind zu Einzelübungen nach Helgoland in See gegangen. Beim Auslaufen salutierte "Posen" die auf dem hier zurückgebliebenen Linienschiff "Westfalen" wehende Flagge des neuen Geschwaderchefs.

 

15.10.

Die Verlegung des 3. Stammseebataillons von Wilhelmshaven nach Cuxhaven wird im Januar 1913 erfolgen. Die Verlegung dieses Bataillons, aus dem das in Tsingtau garnisonierende 2. Seebataillon seinen Ersatz bezieht, war schon lange geplant, weil die Kasematten der Forts bei Wilhelmshaven, die siet der 1898 erfolgten Gründung des Bataillons als Unterkunft dienten, den Anforderungen nicht mehr entsprechen.

 

18.10.

Im neuen Marineetatsvoranschlag wird wiederum eine Summe von 15 Millionen Mark zum Ausbau der Unterseebootsflottillen Einstellung finden und ferner eine zweite Baurate für das große Schwimmdock der kaiserlichen Werft in Wilhelmshaven.

 

24.10.

Die Lehrlings-Vereinigung der Kaiserlichen Werft feiert am Sonnabend im Werftspeisehaus ihr erstes Stiftungsfest. Das in gesanglicher und musikalischer Hinsicht reichhaltige Programm verspricht einen genußvollen Abend.

 

27.12.

Die Rettungsmedaille am Bande ist verliehen dem Obersignalgasten Regelitzky der Matr.-Div. für die von ihm am 20. Juni diesen Jahres im Hafen von Helgoland unter erheblicher eigener Lebensgefahr bewirkte Rettung eines 7jährigen Knaben vom Tode des Ertrinkens.

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