07.01.06

Die Arbeiten zur Erweiterung des Bauhafens der Kaiserlichen Werft sind soweit fortgeschritten, dass in nächster Zeit mit der Beseitigung der noch stehenden alten westlichen Kaimauer begonnen werden kann. Dem Vernehmen nach soll diese Mauer gesprengt werden. Das Schwimmdock, das bisher dort lag, ist schon verholt worden.

 

11.02.06

Mit der Anlage eines Rangierbahnhofs der Kaiserlichen Werft wird demnächst begonnen. Als Areal dient das Land südlich der Kaiserstraße (Weserstr.) in der Nähe der Gewerbeschule. Den dortigen Landpächtern ist zum 1. April vom Marinefiskus gekündigt worden. Die Anwohner des zukünftigen Rangierbahnhofes werden sich wohl mit der Zeit an den Lärm des Rangierbetriebes gewöhnen.

 

14.02.06

Ein großer Pulvertransport, teils zu Wasser, teils per Bahn, trifft dieser tage hier zur Weiterverladung ein. Die Fracht kommt vom Artilleriedepot Friedrichsort. Der Transport erfolgt mit fünf Eisenbahnwaggons und dem Bremer Leichter „Unterweser 15“. Das Schießpulver ist für das Kreuzergeschwader in Ostasien bestimmt.

 

18.02.06

Aus dem hiesigen Garnisonlazarett entsprungen sind seit vorgestern nacht zwei Untersuchungsgefangene. Der Beihilfe zur Flucht ist der Sanitätsgast Schinkel verdächtigt, der auch seit dieser Zeit verschwunden ist. Gegen die beiden Entflohenen schwebt ein Verfahren wegen Fahnenflucht vor dem Kriegsgericht.

 

21.02.06

Die Arbeiten an der Oldenburger Straße zur Herstellung der Hochbrücke, die bestimmt ist, später als alleinige Verbindung zwischen Roonstraße (Rheinstr.) und Hafen (Strandhalle) zu dienen, schreiten rüstig voran. Wie schon einmal erwähnt, soll die Brücke eine Länge von 160 Metern erhalten und die größte Drehbrücke Europas werden.

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Der erste gestern morgen von Wilhelmshaven abgehende Zug war fast überfüllt. Es waren mehr als 100 Mann von SMS „Mecklenburg“, die die Werftliegezeit ihres Schiffes nutzten, um einen kurzen Heimaturlaub anzutreten. Wäre, so hört man, die Eisenbahnverwaltung von der Marine über den Urlaubsbeginn unterrichtet worden, so wäre es ein kleines gewesen, zwei Wagen mehr an den Zug anzukoppeln.

 

02.03.06

Der Ausstand der Taucherglocken- und Erdarbeiter der Firma Holzmann und Co. Ist noch nicht beendet. Die Firma hat die ausständigen Arbeiter dazu aufgefordert, ihren noch ausstehenden Lohn und ihre Papiere abzuholen. Die Ablohnung vollzog sich ohne Ruhestörung. Die Polizei war in der Nähe des Lohnbüros postiert.

 

06.03.06

Mit Tagesbefehl wurde bekanntgegeben, dass die Einführung des Neunstundentages auf der Kaiserlichen Werft der jeweils zuständigen Werkstatt zufällt und dadurch die Mittagspause etwas gekürzt wird. Es wird den Arbeitern anheimgestellt, ihre Wünsche hinsichtlich der Länge der Mittagspause klarzustellen

 

08.03.06

Der Bau der Orgel in der Elisabethkirche, der von den Marinebehörden Herrn Hoforgelbaumeister J. Schmidt in Oldenburg übertragen wurde, ist seit einigen Wochen fertiggestellt. Die Orgel ist als ein vorzüglich gelungenes Werk zu bezeichnen, sowohl in Hinsicht auf den Ton wie auf die technischen Einrichtungen. Sie entwickelt eine mächtige Kraft und enthält viele Soloregister.

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Die Vereidigung der am 1. Februar d. J. bei der 2. Marineinspektion eingestellten rund 800 Rekruten findet am 12. März, 12 Uhr mittags, im Beisein des Kaisers statt. Der Kaiser trifft am Vormittag des 12. März mit dem Sonderzug hier ein und wird auf SMS „Kaiser Wilhelm II“, das in den nächsten Tagen von Kiel hier ankommt, Wohnung nehmen. Die Abreise erfolgt am 13. März mit dem genannten Linienschiffe.

 

10.03.06

Nach neusten Meldungen trifft der Kaiser am 12 d. M. kurz vor 12 Uhr mit dem Sonderzuge hier ein und begibt sich sofort im Wagen zur Rekrutenvereidigung. Später findet ein Frühstück im Offizierskasino statt, an das sich eine Besichtigung der Werft anschließt. Wie alljährlich werden zur Unterstützung der hiesigen Polizei Kriminalbeamte aus Berlin hier eintreffen.

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Nach Westfalen abgeschoben wurde durch die streikenden Arbeiter der Firma Holzmann und Co. Gestern morgen eine 60 Mann starke Gruppe von Arbeitern selbiger Firma. Die Leute waren meist aus Polen und Böhmen. Auch einige Italiener gehörten der Gruppe an. Es handelte sich um Arbeiter, welche vor einigen Tagen mit den Nachmittagszügen hier angekommen sind.

 

11.03.06

Der Kaiser wird am 12. d. M., nachmittags um 5 Uhr, im Rahmen der Werftbesichtigung auch die Baustelle der neu entstehenden Brücke an der Oldenburger Straße besichtigen. Danach wird er zur kleinen Drehbrücke fahren, um darüber zu entscheiden, ob letztere nach Fertigstellen der neuen Brücke dem Verkehr entzogen werden kann.

 

13.03.06

Die größte Anzahl der Arbeiter der hiesigen Kaiserlichen Werft, etwa 4/5 derjenigen, die an der Abstimmung über die Länge der Mittagspause bei neunstündiger Arbeitszeit teilgenommen haben, hat sich für die Beibehaltung der geltenden Mittagspausen entschieden. Nur wenige haben jeweils für eine Verlängerung bzw. Verkürzung gestimmt.

 

14.03.06

Die Post für den Kaiser wird während der Dauer seines hiesigen Aufenthaltes durch zwei Kabinettsbriefträger vom Hofpostamt, welche in wechselnder Richtung zwischen Berlin und hier reisen, vermittelt. Dem ankommenden Kabinettsbriefträger steht beim Einlaufen des Zuges ein vom Postamt gestelltes Fuhrwerk zur Verfügung, so dass er sich ungesäumt an Bord begeben kann.

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Als der Kaiser gestern vom Offizierskasino zu seiner Wohnung auf dem Linienschiff „Kaiser Wilhelm II“ zurückfuhr, fiel aus einem Omnibus eine Frau hinaus auf die Straße. Dieselbe hatte sich, weil sie den Kaiser sehen wollte, zu weit aus dem Gefährt gelehnt und dabei das Gleichgewicht verloren. Sie trug nur geringe Verletzungen davon.

 

15.03.06

Gestern morgen besichtigte der Kaiser in Begleitung eines Gefolges von zehn Offizieren, in Marineuniform, die Mütze mit Ohrenklappen auf dem Kopfe, den Stock in der Hand, die neuen Schleusen, die Taucherglocke der Firma Holzmann und Co. und die südliche Werfterweiterung. Nach der Besichtigung kehrte er an Bord zurück und erledigte Regierungsgeschäfte.

 

17.03.06

Gestern erhielt die Kaiserin-Auguste-Schule für die von den Schülerinnen gesammelte Flottenspende allerhöchste Anerkennung vom Oberhofmarschallamte des Kaisers und Königs, in Form eines künstlerisch gestalteten Gedenkblattes, mit den beiden Allerhöchsteigenen Namensunterschriften des Kaisers und der Kaiserin, „als Zeichen der Allerhöchsten Anerkennung des durch die Sammlung bekundeten Patriotismus“.

 

22.03.06

Die Werftuhr hat sich anscheinend dem Ausstand der Arbeiter der Firma Holzmann und Co. angeschlossen. Schon seit mehreren Tagen stehen ihre Zeiger auf 9 Uhr und 10 Minuten. Für die Arbeiter der Werft ist dieses Versagen der Uhr ein großer Übelstand; es scheint dringend geboten, hier möglichst bald Abhilfe zu schaffen.

 

24.03.06

Für die Firma Holzmann und Co. traf in der vergangenen Nacht ein Arbeitertransport, ca. 350 Mann stark, aus Oberschlesien hier ein. Die Leute wurden mit dem Extrazug über die Kaiserliche Werft zu ihren Quartieren in der alten Pumpstation und auf den gecharterten Dampfer „Gjedser“ gebracht.

 

25.03.06

Gestern zogen etwa 350 Galizier, die in der letzten Woche für die Woche Holzmann und Co. hier eingetroffen waren, geschlossen zum Rathaus, um Schutz gegen vermeintliche Übervorteilung zu suchen. Wie der Führer der Arbeiter angab, hat der Agent, der sie in Galizien angeworben hatte, Ersatz der Reisekosten, freie Verpflegung und 55 Pfg. Stundenlohn zugesagt. Die Firma Holzmann wolle jedoch nur 35 Pfg. Stundenlohn und keine Reisekosten bezahlen.

 

31.03.06

Infolge der vielen Unregelmäßigkeiten und Ungehörigkeiten, welche sich Lehrlinge der Kaiserlichen Werft, namentlich in der Fortbildungsschule und außerhalb der Werft, haben zu Schulden kommen lassen, hat das Rechsmarineamt eine Änderung der die Lehrlingsausbildung regelnden Paragraphen der Werftordnung vorgesehen.

 

01.04.06

Vor geraumer Zeit fanden hier Bestrebungen zur Einführung der neunstündigen Arbeitszeit auf der hiesigen Werft statt. Die Marineverwaltung schien auch dazu geneigt zu sein. Allgemein glaubte man, dass die neue Arbeitszeit mit Beginn der Sommerarbeitszeit am 20. April eingeführt würde. Im jetzt ausgegebenen Tagesbefehl wird die Sommerarbeitszeit mit 10 Stunden festgelegt.

 

06.04.06

In den eingerichteten Kaffeeküchen im Schiffbauressort der Kaiserlichen Werft, welche sich als praktische Einrichtung erwiesen haben, ist geplant, in den vorgeschriebenen Zeiten auch Fleischbrühe zu verabreichen. Der Probeausschank findet morgen statt. Es wäre zu wünschen, wenn die Kaffeeküchen reichen Zuspruch erhielten.

 

07.04.06

Nachdem die Marinevorlage vom Reichstag bewilligt wurde, hat die Marineverwaltung in den kommenden Wochen sieben Schiffsneubauten an die Werften vergeben. Die Kaiserliche Werft Wilhelmshaven hat den Neubauauftrag für ein Linienschiff erhalten. Den letzten Neubauauftrag für einen Panzerkreuzer erhielt unsere Werft im Jahr 1904.

 

10.04.06

Die Firma Holzmann und Co. weist in einem Brief an den Gemeinderat von Heppens die kursierenden Gerüchte über die Arbeitssicherheit der Taucherglocke zurück. Die Firma betont, dass Betriebsunfälle in der Taucherglocke minimal seien und die Arbeiter unter ärztlicher Kontrolle stünden. In übrigen seien die Unfälle seitens der Arbeiter sehr aufgebauscht worden.

 

15.04.06

Auf der Kaiserlichen Werft, im Ressort der Bauwerft, erhielten gestern früh die Arbeiter der Gießerei und der Kesselschmiede die Mitteilung, dass gemäß Antrags der Gießer auf Reduzierung der Arbeitszeit auf neun Stunden, um den geplanten Entlassungen von Arbeitskräften vorzubeugen, vom 20. d. M. ab in beiden Werkstätten der Achtstundentag eingeführt wird.

 

18.04.06

Der Werftdampfer „Sturm“ hatte vorgestern die infolge eines Torpedoschusses bei Eiderfeuerschiff gesunkene und mit Hilfe zweier Prähme gehobene Zielscheibe in den hiesigen Hafen gebracht. Gestern sollte der große Hebekran der Werft, scherzhaft „Langer Heinrich“ genannt, den Scheibenponton aus dem Wasser heben. Hierbei brachen mit lautem Krachen die Krantrossen und der Scheibenponton versank erneut.

 

19.04.06

Bei der Feldbahn, mittels der die Hafenbauer die Erde zum Siebethsburger Gelände transportieren, sind durch Bubenhand Weichen umgelegt worden, so dass zweimal Entgleisungen vorkamen. Ferner wurde eine Entgleisung dadurch herbeigeführt, dass eine Schiene auf die Gleise gelegt wurde. Der Materialschaden beträgt mehrere Tausend Mark. Auch wurden einige Arbeiter verletzt.

 

20.04.06

Mit dem 20. d. M. tritt eine Veränderung in der Arbeitszeit der Kaiserlichen Werft ein. Die Arbeit beginnt dann um 6.05 morgens und endet um 12.05 mittags. Nachmittags wird von 1.35 Uhr bis 5.35 Uhr gearbeitet. Von der Einführung einer neunstündigen Arbeitszeit kann somit keine Rede mehr sein.

 

26.04.06

Der Galgenhumor hat sich jetzt auch der Ansichtspostkarten bemächtigt, wie man auf einer Ansichtskarte des Verlages Flitz (Bismarckstraße) sehen kann. Auf der Karte steht unter dem Bilde unseres Hafens mit SMS „Brandenburg“ im Vordergrund: „Daß dies der Wilhelmshavener Hafen ist, sieht man an den Kriegsschiffen, wovon eines immer größer ist als das andere. Die allermeisten kann man aber nicht sehen, weil sie in Kiel sind.“

 

28.04.06

Der Wohlfahrtsverein für Witwen von Werftangehörigen der hiesigen Kaiserlichen Werft hat 15 Strickmaschinen neuester Bauart beschafft. Der Verein verfolgt hiermit die Absicht, den Witwen von Werftangehörigen die Gelegenheit zu bieten, sich einen Zuverdienst zu ihrem sonstigen Einkommen zu erwerben. Der Verein hat einen Vertrag über die Lieferung von Militärstrümpfen abschließen können.

 

02.05.06

Auf der Grundlage eines Befehls der Festungskommandantur durften am gestrigen Tage wegen der Maifeier Militärpersonen den Bereich des Amtes Rüstringen nicht betreten. Militärpersonen, die in diesem Bereich wohnen, war es mit gleichem Befehl verboten, in Uniform spazieren zu gehen und Wirtschaften daselbst aufzusuchen.

 

11.05.06

Der neunstündige Arbeitstag wird voraussichtlich am 1. August auf der Wilhelmshavener Kaiserlichen Werft eingeführt. Eine der Voraussetzungen ist allerdings auch noch, ob es der Eisenbahnverwaltung gelingt, die Abfahrt- und Ankunftszeiten der Arbeitszüge in und aus Richtung Varel und Jever ohne große Schwierigkeiten zu verlegen.

 

15.05.06

Gelegentlich der Schießübungen der Kriegsschiffe „Leipzig“ und „Undine“ auf der Außenjade ist eine Granate vom Linienschiff „Leipzig“ in Sengwarden, in der Nähe des Hauses von C. Schröder, ohne zu explodieren aufgeprallt und dann weiter ins Land in Richtung Utters geflogen. Glücklicherweise wurde durch diesen Fehlschuß kein Unheil angerichtet.

 

18.05.06

Zwei Straßenräuber in Gestalt von Matrosen-Artilleristen sind gestern festgenommen worden. Sie hatten nämlich vor der Werft einen Herrn nach der Uhrzeit gefragt und als derselbe seine Uhr hervorzog, raubten sie ihm dieselbe. Die Sache kam ans Tageslicht, als sie die Uhr zum Pfandleiher brachten, der wiederum die Polizei instruierte.

 

24.05.06

Bei der Garnisonwaschanstalt können sich Witwen von Werftangehörigen, die selbst arbeiten wollen, für die Arbeit als Wäscherinnen bei dem Betriebsleiter, Kaserneninspektor Futh, melden, damit im Bedarfsfalle zwecks Einstellung Nachricht an sie gegeben werden kann. Voraussetzung zur Annahme ist ein kräftiger, gesunder Körper.

 

27.05.06

Gut zu amüsieren scheinen sich in unserer Stadt die Besatzungen der jetzt hier liegenden Manöverflotte. Überall sah man gestern die schmucken Uniformen der Matrosen, deren Träger vergnügte Gesichter zeigten. Viele sah man abends schwankend ihrem Schiff zuwandeln, um später in der Hängematte selig von weiterem löblichen Tun zu träumen.

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Der neue Jade-Lotsenschoner „Wangerooge“ ist gestern hier eingetroffen und wirde auf die Kaiserliche Werft geschleppt. Der Schoner wurde auf der Werft der Firma Meyer in Papenburg gebaut. Nach Abnahme und Ausrüstung des Fahrzeuges wird es anstelle des alten Lotsenschoners „Wangeroog“, der nach 40jähriger Dienstzeit ausrangiert wird, dem Kaiserlichen Lotsenkommando an der Jade übergeben.

 

29.05.06

Sehr rüpelhaft benahmen sich gestern in der Markstraße vier angetrunkene Matrosen der hier liegenden Manöverflotte. Ihre Hauptbeschäftigung war, durch dumme Reden vorübergehende Damen zu belästigen. Teilweise erlaubten sie sich sogar die unverschämte Frechheit, letztere anzufassen. Eine ordentliche Zurechtweisung hätte jedenfalls gutgetan.

 

20.06.06

Das schwedische Küstenpanzerschiff „Dristigheten“ am Nordwestkai bei der Königstraße (Ebertstraße) war gestern das Ziel zahlreicher Spaziergänger. Seine schmucke Besatzung erfreut sich in unserer Stadt – auch bei der Damenwelt – der freundlichen Aufnahme. Die Offiziere und ein großer Teil der Mannschaft des Schiffes sprechen fließend deutsch.

 

21.06.06

Gestern wurde ein 8jähriger Knabe beim Kohlestehlen im Hafen von der Polizei gefasst, während fünf seiner Kameraden entkommen konnten. Es häuft sich in den letzten Wochen, dass Eltern, die in ärmlichen Verhältnissen leben, ihre Kinder zum Stehlen von Kohle zum Hafen und zum Kohlenlager der Kaiserlichen Werft schicken.

 

22.06.06

Unentgeltlicher Schwimmunterricht wird den Söhnen von Arbeitern der Kaiserlichen Werft in der Badeanstalt am Ems-Jade-Kanal durch zwei Unteroffiziere der Kaiserlichen Marine resp. des Seebataillons, von heute an erteilt. Die Unterrichtsstunden finden mittwochs und sonnabends am Nachmittag statt. In den Ferien werden die Schwimmstunden am Morgen abgehalten.

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Im Hafenbecken hinter der Kaserne der 2. Matrosendivision wurde gestern morgen die Leiche eines Soldaten der 5. Kompanie der 2. Matrosendivision aufgefunden. Der Tote wies Schädelverletzungen auf und am halse war mit starker Schurr ein schwerer Stein befestigt. Der Matrose wurde steckbrieflich wegen Fahnenflucht gesucht. Es wird eine Mordtat angenommen.

 

29.06.06

Im Garten des Seemannshauses sollen vom 1. Juli ab Konzerte veranstaltet werden. Zu diesem Zwecke ist etwa in der Mitte des prachtvollen Gartens ein Musikpavillon errichtet worden. Ferner ließ die Kaiserliche Werft aus ihrem Bestande mehrere elektrische Bogenlampen von je 4200 Kerzenstärken an hohen Stangen hängend anbringen.

 

01.07.06

Nun, da die Flotte Wilhelmshaven wieder verlassen hat und unser Hafen vereinsamt daliegt, können die Fremden, die unseres Seebades wegen hier weilen, zwar den Hafen und seine gewaltigen Anlagen betrachten, aber bekommen keine Schiffe zu Gesicht. Sie können sich also keine Vorstellung davon machen, wo ihre Steuergroschen eigentlich geblieben sind.

 

03.07.06

Der Umstand, dass das neue Linienschiff „Preußen“ mit Genehmigung des Kaisers einige von den Provinzen Ost- und Westpreußen gestiftete Toppflaggen führen darf, die der ehemaligen preußischen Marineflagge ähneln, führte dazu, dass das „Norddeutsche Volksblatt“ in Bant von einer „preußischen Gardemarine“ sprach.

 

04.07.06

Eine Kiste mit 50 Pfund Butter wurde in der Nähe des Güterbahnhofes gefunden. Die Kiste trägt die Signatur der Kaiserlichen Marine. Es ist daher davon auszugehen, dass der Fund wahrscheinlich von einem Diebstahl herrührt, der bei einem Provianttransport begangen wurde und bei dem die Täter gestört wurden.

 

14.07.06

Die Vorbereitungsarbeiten an der Kammerschleuse an der Kronprinzenstraße sind soweit fortgeschritten, dass in der vorgestrigen Nacht das östliche Ende der Mauer abgesprengt werden konnte. Hierbei wurden Pulverladungen verwendet. Seit gestern morgen sind Taucher damit beschäftigt, die durch die Sprengung abgelösten Stücke mit Flaschenzügen vom Schleusengrund zu heben.

 

15.07.06

In letzter Zeit gingen mehrfach Meldungen mit unterschiedlichen Zahlen durch mehrere auswärtige Blätter über die Summen, die die Kaiserliche Werft Wilhelmshaven für das Wohl ihrer Arbeiter ausgibt. Die korrekten Summen, von der Kaiserlichen Werft mitgeteilt, belaufen sich jährlich für die gesetzliche Versicherungspflicht auf 377 000 Mk. Freiwillige Leistungen und Unterstützungen machen 198 000 Mk. aus.

 

18.07.06

Nach der neuen Ordnung auf der Kaiserlichen Werft verliert jeder Arbeiter bei Verspätung an der Kontrolle bis zu fünf Minuten einen halben Stundenlohn. Bei einer Verspätung von fünf bis zehn Minuten wird ein voller Stundenlohn abgezogen und bei einem Zuspätkommen über 15 Minuten bis zu einer Stunde verliert der Betreffende zwei Stundenlöhne.

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Am kommenden Mittwoch wird unsere Stadt einen Besucherandrang großen Ausmaßes erleben. Mit einem Extrazug werden morgens hier 1000 Personen eintreffen. Dieselben werden die Kaiserliche Werft und unsere Hafenanlagen besichtigen. Am Nachmittag werden sie an Extrafahrten auf dem Dampfer „Eckwarden“ und am Abend an einem Konzert im Park teilnehmen.

 

19.07.06

Am 29. Juli wird auf der Kaiserlichen Werft der Neunstundentag eingeführt. Die wirkliche Arbeitszeit von neun Stunden gilt von dann ab. Für den Weg vom nächsten Werfttor bis zu jeder Arbeitsstelle und, wo die Einrichtungen es erlauben, für das Umziehen vor Beginn der Arbeit wird eine bestimmte Zeit in die Arbeitszeit eingerechnet

 

26.07.06

Die Grasnutzung auf den Deichflächen zwischen dem Bantersiel und Mariensiel soll in 15 Losen an die Arbeiter der Kaiserlichen Werft verpachtet werden. Die Pacht gilt für ein Jahr und wird stillschweigend verlängert, wenn vier Wochen vor Ablauf keine Seite kündigt. Jedes Los umfasst eine Deichlänge von 100 Metern.

 

27.07.06

Zu einer lustigen Ortsverwechslung kam es gestern Mittag, als Herr Astronomie-Professor Berger aus Berlin dem Droschkenkutscher am Bahnhof als Fahrtziel „Zum Observatorium, bitte!“ zurief. Der Kutscher fuhr den Herrn zum Altendeichsweg, wo bekanntlich ein Etablissement, von den Matrosen „Observatorium“ genannt, existiert. Hier am Ort klärte sich der Irrtum, angesichts der verführerischen Insassinnen, schnell auf.

 

04.08.06

Wüster Lärm riß gestern gegen zwei Uhr am Morgen Bewohner in Kopperhörn aus den Betten. Einige Mariner und ein Trupp Bauarbeiter lieferten sich zu dieser Zeit vor einer Wirtschaft eine Schlacht. Erst als eine Marinepatrouille und Nachtwächter in das Geschehen eingriffen, konnte die Ruhe wieder hergestellt werden.

 

14.08.06

Die festlichen Veranstaltungen, die am Sonnabend wegen des hier anwesenden Geschwaders angesetzt waren, wurden nur schwach besucht und fielen zum Teil aus. Grund dafür war, dass das Geschwader am Sonntagmorgen sehr früh den Hafen verließ und die Mannschaften deshalb keinen Landgang bekamen.

 

16.08.1906

Wie wir hören, wird der Großherzog von Oldenburg noch in diesem Monat der Stadt Wilhelmshaven einen Besuch abstatten. Der Großherzog will mit größerem Gefolge nach hier kommen. Unter anderem will er die kaiserliche Werft besichtigen, wo ihn besonders die elektrisch angetriebenen Maschinen, Kräne und Transporteinrichtungen interessieren.

 

21.08.06

Um den Ansprüchen, welche zu den Badezeiten und vor allem an Sonntagen vom Publikum gestellt werden, gerecht zu werden und in Erkenntnis der bisherigen Unzulänglichkeiten, hat die Kaiserliche Werft zum Übersetzen an der Westseite des Banter Hafens im Zuge der Kettenstraße eine zweite Fähre eingerichtet. Die kann 35 Personen pro Fahrt befördern.

 

23.08.06

Das brasilianische Schulschiff „Benjamin Constant“, unter dem Kommando von Freg.-Kapt. Carlos Pereira Lima, ist gestern zu einem kurzen Besuch hier eingelaufen. Das Schiff lief nach Abgabe des üblichen Saluts durch die 1. Einfahrt in den neuen Hafen ein und wurde vom Musikkorps der 2. Matr.-Div. begrüßt. Das weiße Schulschiff trug an der Gaffel die brasilianische Kriegsflagge.

 

26.08.06

Das neue Arbeiteramt der kaiserlichen Werft soll seinen Platz an der Ecke Göker- und Königstraße (Ebertstraße) erhalten. Das Gebäude wird alle dem Wohlfahrtswesen und dem Arbeiterschutz dienenden Bureaus, die jetzt räumlich getrennt sind, in sich aufnehmen. Wie verlautet, soll für Frauenbelange eine ältere Dame als Assistentin des Vorstehers des Arbeiteramtes angestellt werden.

 

31.08.06

Wie im vorigen Jahr werden auch in diesem Herbst die Schiffe der aktiven Schlachtflotte einzeln und nicht, wie früher im ganzen Geschwader zur gleichen Zeit, instand gesetzt werden. Wie verlautet, treffen Mitte September die Linienschiffe „Wittelsbach“ und „Wettin“ als erste hier auf der Kaiserlichen Werft ein. Für unsere Geschäftsleute und Wirte ist dies eine erfreuliche Meldung.

 

02.09.06

An der Ecke der Markt- und Wallstraße (Virchowstr.) gerieten in vorletzter Nacht Matrosen und Zivilisten in heftigen Wortstreit, wobei es so laut zuging, dass die Nachbarschaft in bestem Schlafe gestört wurde. Einige der so Gestörten gossen aus den Fenstern ihre Nachtgeschirre über die Streithähne aus.

 

04.09.06

Angeschossen wurde vorgestern abend ein Matrose in der Peterstraße, gegenüber vom Restaurant „Zum Löwenwirt“. Der Tat ging ein Streit zwischen Matrosen und Zivilisten voraus. Einer der Zivilisten zog einen Tesching (Gewehr) und schoß einem der ihn verfolgenden Matrosen in die rechte Wange. Die Soldaten suchten daraufhin schnell das Weite.

 

07.09.06

Gestern brach beim Verholen eines Torpedobootgeschwaders von der Kammerschleuse in den Hafen eine dicke Trosse eines Torpedobootes infolge des starken Windes und schnellte mit einer unheimlichen Geschwindigkeit zurück. Merkwürdiger- und glücklicherweise wurde niemand getroffen und verletzt.

 

13.09.06

Wegen des Neubaus, der das Arbeiteramt und die Bureaus des Wohlfahrtsausschusses der Kaiserlichen Werft aufnehmen soll, müssen die im vergangenen Jahr unterirdisch verlegten Telephonkabel umgelegt werden. Die Erdarbeiten sind recht umfangreich und werden den Verkehr auf der Göker- und Königstraße erheblich beeinträchtigen.

 

23.09.06

Einen willkürlichen Roheitsakt beging vorgestern ein Matrose der Kaiserlichen Marine in der Bismarckstraße gegenüber einem radfahrenden Geschäftsburschen. Ohne jede Veranlassung stieß er diesen vom Rad. Der Matrose ergriff, als sich einige Passanten versammelten, schnell das Hasenpanier.

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Neue Markenkontrollautomaten sind auf der Kaiserlichen Werft eingetroffen und bereits in den Werkstätten aufgestellt worden. Die neuen Automaten verzeichnen sogar die Minuten, so dass eine äußerst genaue Kontrolle des Arbeitsantritts und des Arbeitsendes möglich ist. Wie sich diese Neuheit bewährt, bleibt allerdings abzuwarten.

 

02.10.06

Bei den Hafenerweiterungsbauten ist vorgestern in der Nacht an der Nordostseite eine Spundwand durchgebrochen, so dass ein Teil der dortigen Baustelle unter Wasser gesetzt wurde. Seit gestern morgen sind die angesetzten Pumpen bei der Arbeit, um die Baustelle lenz zu halten. Die Abdichtungsarbeiten können heute beendet werden.

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