04.01.

Marine-Intendanturbeamten ist die Erlaubnis zur Verheiratung nur dann zu erteilen, wenn der beabsichtigten Heirat weder dienstliche noch sonstige Rücksichten entgegenstehen und wenn sie nachweisen, dass ihr jährliches Einkommen mindestens 4500 Mark für Assessoren und 3600 Mark für Sekretariatsbeamte beträgt.

 

05.01.

Der Kiautschou-Transport hat, wenn diese Zeilen in Druck gehen, an Bord des "Neckar" bereits Wilhelmshaven verlassen. Um 12 Uhr mittags ging der "Neckar" nach der 3. Hafeneinfahrt und blieb hier bis etwa 2 Uhr liegen. Die Gesamtkopfstärke des Transports beträgt 66 Passagiere der 1. Kajüte, 56 Passagiere der 2. Kajüte, 118 Unteroffiziere und 1009 Gemeine (Zwischendeck).

 

06.01.

Das auf gestern Nachmittag um 2 Uhr festgesetzte Auslaufen des Transportdampfers "Neckar" erlitt eine mehrstündige Verspätung, weil sich eine Stahltrosse in die Schraube verwickelt hatte. Deren Beseitigung durch Taucher nahm zwölf Stunden in Anspruch. Der Dampfer hat auch 12 Ziegen, 24 Hühner und 50 weiße Mäuse für das Gouvernement Kiautschou an Bord.

 

20.01.

Matrose L. von "Posen" erhielt zu Weihnachten keinen Heimaturlaub wegen seiner sehr mangelhaften Führung. Da er aber unter allen Umständen seine Braut wieder sehen wollte, nahm er sich selber Urlaub. Er fuhr heimlich nach Hamburg; am 9. Januar hat er sich freiwillig gestellt. Das Kriegsgericht verurteilte ihn zu 28 Tagen strengstem Arrest.

 

Unsere Marine ist von einem bedauerlichen Unglücksfall betroffen worden, der leider auch drei Menschenleben gefordert hat. Das Unterseeboot "U 3" ist gesunken.

 

21.01.

Ein Soldatenheim ist in den oberen Räumen des Seemannshauses eröffnet worden. Es soll Unteroffizieren und Mannschaften jeden Sonntag nachmittag von fünf Uhr ab Unterhaltung durch Marinegeistliche bieten. Jedesmal sollen kurze Vorträge gehalten und Gelegenheit für Unterhaltungsspiele geboten werden.

 

Einen Übungsritt nach Varel unternahmen heute früh die Offiziere des 2. Seebataillons unter Leitung des Kommandeurs v.Lettow-Vorbeck. Morgen früh 7.40 Uhr wird das 2. Seebataillon mit Sonderzug den Standort zu einer zweitägigen Felddienstübung zwischen Dnagstermoor und Hahn verlassen. Das Bataillon wird in Jaderberg Quartier beziehen.

 

22.01.

Eine sehr trüne Kunde, die in weiten Kreisen aufrichtiges Bedauern erwecken wird: In Hongkong ist der Kontreadmiral Gühler, der seit Frühjahr 1910 mit der Führung des ostasiatischen Kreuzergeschwaders beauftragt war, an Typhus gestorben. Er war zuvor Chef des Admiralstabes der Nordseestation in Wilhelmshaven.

 

05.02.

Seesoldat K. hat gegen das Urteil des Standgerichts, das ihn zu 3 Wochen strengen Arrests wegen Achtungsverletzung und Beharrens im Ungehorsdam verurteilt hatte, Berufung eingelegt. Der Hauptmann hatte befohlen, die Leute sollten zu Bett gehen. Diesen Befehl führte der Angeklagte nicht aus. Der Stubenälteste sagte ihm: "Mensch, geh doch zu Bett." Darauf hat der Angeklagte sehr unmilitärische Äußerungen gebraucht. Das Kriegsgericht der 2. Marineinspektion spricht ihn aber frei, weil der Stubenälteste seinen Befehl nicht im Befehlston gegeben hat.

 

Der Paketverkehr nach China und Kiautschou über Sibirien ist der Pestgefahr wegen eingestellt worden. Pakete dürfen nur noch auf dem Seeweg befördert werden.

 

30.06.

Marinebaurat Wilhelm Krüger von der hiesigen Werft ist zum Marine-Ober-Baurat und Hafenbaubetriebsdirektor befördert worden. Er steht im 40. Lebensjahre, wurde 1988 Regierungs-Baumeister und trat am 1. April 1901 in die Kaiserliche Marine ein.

 

09.09.

Der österreichische Marinekommandant Graf von Montecucculi, der im Gefolge des Erzherzogs Franz Ferdinand von Österreich an der Kieler Flottenparade teilgenommen hatte, ist zur Besichtigung des Kriegshafens in Wilhelmshaven eingetroffen. Er hat sich in Loheydes Hotel eine Wohnung genommen.

 

07.10.

Zur Wahrung strengster Neutralität Deutschlands im italienisch-türkischen Kriege - und aus Gründen der Choleragefahr in den Mittelmeerhäfen - hat der über Tanger und Palma (Mallorka) Mitte September ins Mittelmeer eingelaufene Kreuzer "Vineta" dieses bereits wieder verlassen. Ebenso soll der Kreuzer "Hansa", der demnächst ins Mittelmeer einlaufen sollte, diese Segelorder nicht ausführen.

 

25.11.

Nach Kiel soll jetzt auch die Marinewerft in Wilhelmshaven den Bau von Turbinenanlagen in ihrem eigenen Werftbetrieb aufnehmen, und zwar wird dies vorerst der Bau der kleineren Schiffsturbinenanlage für den Ende August zu Wasser gelassenen Kreuzer "Straßburg" sein, den dieses Staatsetablissement innerhalb des Rechnungsjahres 1912 zur Ablieferung zu bringen hat.

 

06.12.

Der Unterbau des Coligny-Denkmals auf dem Adalbertplatz gegenüber dem Stationsgebäude ist fertiggestellt. Er ist etwa 2,5 Meter hoch und besteht aus mehreren, im Viereck angeordneten Stufen aus rotem Granit und dem vierkantigen Sockel, dessen Mitte die noch Leinwand umhüllende Inschrift trägt.

 

22.12.

Zur Geburt des neuen Prinzen hat der Kaiser bestimmt, daß sämtliche Kriegsschiffe einen Salut von 21 Schuß zu feuern und auszuflaggen haben.

 

28.12.

Da die Benutzung von Schwimmdocks gegenüber Trockendockanlagen wesentliche Vorteile bieten, will die Marineverwaltung ihre Werften, darunter auch Wilhelmshaven, jetzt mit Schwimmdocks auch für die großen Linienschiffe ausrüsten.

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