Kasernen und Wohnschiffe in Wilhelmshaven/Rüstringen

Mit dem Kasernenbau wurde Mitte der 1860er-Jahre begonnen. Zunächst wurden in der Nähe der Kommissionshäuser provisorische Kasernen in Form von Holzbaracken errichtet, die später wieder abgerissen wurden. Im November 1866 schließlich begann am westlichen Ende der Moltkestraße, an der Ecke der damaligen Werftstraße, der Bau der ersten massiven Kaserne. Bezugsfertig im August 1868 diente sie als Unterkunft der 1. Kompanie der See-Artillerieabteilung. An der Roonstraße (Rheinstraße) wurden zudem drei weitere provisorische Kasernen gebaut. Sie blieben bis 1905 bzw. 1909 stehen, bevor sie durch die Torpedokasernen ersetzt wurden.

Roonstraße (Rheinstraße): Links am Exerzierplatz ist eine der provisorischen Kaserne zu sehen. An der Stelle entstand später die 1. Torpedokaserne. Dahinter die Stadtkaserne

Die drei provisorischen Kasernen in der Roon-straße (Rheinstarße) auf einem Stadtplan von ca. 1890.

Die Kaserne links der Stadtkaserne wich 190 der 1. Torpedokaserne. Die Kasernen rechts der Stadtkaserne existierten bis zum Baubeginn der 2. Torpedokaserne 1908.

Die Kaserne direkt östlich neben der Stadtkaserne ist auf dem Plan als "prov. Intend." gekennzeich-net. Die Intendantur nutze die Kaserne bis 1906 als ihre Hauptstelle, anschließend noch gut zwei Jahre für einige ihrer Abteilungen.

In den Jahren 1869 bis 1911 wurden weitere insgesamt 9 "dauerhaft" bestehende Kasernen errichtet, es entstehen vier große Kasernengebiete: an der Roonstraße (Rheinstraße), "Alaska" an der Moltke- (Am Neuen Hafentor) und Ostfriesenstraße (Hannoversche Straße), am Mühlenweg und an der Gökerstraße. Von den Kasernen existieren nur noch drei (nahezu) vollständig, von einer weiteren, der Stadtkaserne, steht nur noch ein Teil eines Anbaus. Alle anderen Kasernen sind mittlerweile aus dem Stadtbild verschwunden, wobei nur eine, die Stadtkaserne bis auf besagtem Anbau, dem Bombenkrieg des 2. Weltkriegs zum Opfer fiel. Die anderen wurden in den abrisswütigen 70er-Jahren planiert...

 

Während die Kasernen an der Roonstraße - Stadtkaserne, 1. und 2. Torpedokaserne - und die ersten drei Kasernen in "Alaska" mächtige Blockkasernen mit Innenhof sind bzw. waren und gerade Hafen-, Werft- und 1000-Mann-Kaserne mit wuchtiger burgähnlicher Bauweise deutlich militärischen Charakter hatte, wurde "Alaskas" vierte Kaserne sowie die Kasernen Mühlenweg und Gökerstraße in sogenannter Pavillon-Bauweise errichtet. "Pavillon" ist hier nicht als heute gebräuchlicher Begriff im Baurecht für eine ebenerdige Leichtbauweise zu verstehen, sondern als historisch-fachlicher Begriff für eine, wie es heute heißt, offene, aufgelockerte Bauweise, bei der Gebäude mit mehreren Metern Abstand zueinander gebaut werden.

 

Die Kasernen im Einzelnen (für weitere Informationen und Bilder auf den jeweiligen Link klicken):

 

Roonstraße:

Stadtkaserne

1. Torpedokaserne

2. Torpedokaserne

 

"Alaska" - Moltke- und Ostfriesenstraße:

Tausendmann-Kaserne

Hafenkaserne

Werftkaserne

Kasernement Werftdivision

 

Kasernen in Heppens bzw. Rüstringen:

Kaserne Mühlenweg

Kaserne Gökerstraße

 

Neben diesen Kasernen dienten zudem einige ausgediente Schiffe als Unterkunft.

Weitere Informationen dazu unter Wohnschiffe

 

Allgemein rätselhaft scheint die Nutzung der meisten Kasernen in der Zeit nach dem Ersten Weltkrieg bis zur Machtergreifung der Nationalsozialisten zu sein. Die aufgrund der Bestimmungen des Versailler Vertrages stark dezimierte Reichsmarine benötigte nur noch 50-70% der zur Verfügung stehenden Kapazitäten. Die Jadestädte wiederum benötigten dringend Wohnraum und schufen schnell behelfsmäßige Unterkünfte, auch Kasernen sollten dahingehend genutzt werden. Allerdings zeigte die Marineführung nur wenig Bereitschaft, Kasernen im großen Stil zur Verfügung zu stellen. Sie meldete weiterhin großen Bedarf an; um diesen nachzuweisen, wurden Kasernen teilweise belegt, Truppenteile wurden immer wieder von hin und her verlegt. Offiziell freigegeben aber wurde die Tausendmann-Kaserne, zudem diente sie als Auffanglager für heimkehrende Kriegsgefangene, von denen viele per Schiff nach Wilhelmshaven gebracht wurden. Auch die anderen "Alaska"-Kasernen wurden wohl zu mindestens teil- und zeitweise als Notunterkünfte und von Gewerbeunternehmen genutzt.